1.Geschichte | Neues Schuljahr (3. Teil)

Zuhause angekommen lässt Olivia sich in den klapprigen, alten Küchenstuhl fallen. Sie ist geschafft und brauch eigentlich eine Pause. Da kommt ihre Mutter in die Küche. "Du siehst ja negativ aus. 'Positive Einstellung bringt  Gold' oder so ähnlich...", begrüßt ihre Mutter sie. "Geld ist nicht alles im Leben",erwiedert Olivia genervt. Sie nimmt ihren Gitarrenkoffer und ist schon wieder über der Schwelle. "Ich geh' jetzt arbeiten. Anders als andere gewisse Leute." Ihre Mutter ist arbeitslos, und ihr Vater arbeitet deswegen 100%. Weil das immer noch nicht reicht, spielt Olivia bis spät in die Nacht in einem kleinen Café. Danach muss sie lernen. Viel Zeit für Schlaf bleibt da nicht, aber das Gitarre spielen macht ihr zumindest Spaß. Bis auf ein paar anzügliche Männer ist es also ein recht guter Job mit vergleichsweise hoher Bezahlung. Sie sieht auf die Uhr und merkt, dass sie sich sputen muss, denn sonst würde sie zu spät kommen. Aus dem Mehrfamillienhaus raus und rechts abbiegen, dann verfällt sie in einen leichten Trab.

 Im Café setzt sich Olivia auf ihren schon bereit gestellten Barhocker und legt ihren Ordner mit den ausgewähltenStücken auf den Notenständer. Doch heute klappt das mit dem Spielen nicht so. Die Leute klatschen zwar und alles, aber Olivia persönlich mag es nicht. Sie macht früher als sonst eine Pause und seufzt. Ihr wird dieses vollgestopfte Leben zu viel. Sie will abhauen...

Ende ihrer Schicht. Olivia packt ihr Zeug ein und dreht sich Richtung Ausgang, als sie jemand am Arm fasst. Es ist der Junge, der nach ihr spielt. "Ähm, ich weiß du möchtest jetzt wahrscheinlich gehen, aber ich fänd's super wenn du mir kurz helfen könntest." Es ist ein richtiger Werbespot-Junge. Braune Haare, grüne Augen und ein perfekt geformter Mund, der voll mit strahlend weißen, gleichmäßigen Zähnen ist. Und ein Lächeln hell wie die Sonne. "Es ist mein erster Auftritt hier, und ich wollt fragen, ob du mir beim Aufbauen helfen könntest...." Olivia lächelt ihn freundlich an. "Vergiss es und bau deinen Scheiß selber auf", antwortet sie, immer noch zuckersüß lächelnd. Wie sie vermutet hatte, war der Junge nicht schockiert, sondern sein Blick und seine Haltung wurden arrogant. "Wenn du dachtest, ich würde auf deine Masche reinfallen und alles für dich aufbauen, dann hast du mich unterschätzt." Seiner Arroganz wich einem kleinen Funken Überraschtheit. "Du hast gewusst, dass das nur 'ne Masche war?" "Klar, sieht man an deinem gespielten Blick.", erwiederte sie. "Pf, von so 'nem hässlichen Mädchen will sich ja auch keiner helfen lassen." "Hässlich?", sagte Olivia mit hochgezogener Augenbraue. "Ja, hässlich", wiederholter der Zahnpasta-Werbungs-Junge, aber er hatte sich schon seinem Gitarren Koffer zugewandt. "Und wie heißt du?", fragte Oliva neugierig. "John", antwortete er knapp. "JOHN!", rief Olivia. Schnell schreckte John auf und fuhr herum zu Olivia. "Was sollte der Sche-", fuhr er sie zornig an,doch er konnte seinen Satz nicht beenden, da Olivia ihm einen langen Kuss auf die Lippen drückte. "Dafür das du mich hässlich genannt hast, du Depp", meinte Olivia als sie sich von ihm löste. John schaute sie kurz verdutzt an und wurde dann knallrot. Aber nicht vor Wut, wie Olivia zuerst dachte, sondern vor Schüchternheit. Als sie das bemerkte, musste sie kichern. "Das War mein erster Kuss!", schnauzte er sie, immer noch rot und in einer hohen Stimme, an. Er räusperte sich und fragte anschließend: "Deiner etwa nicht?" "Doch, schon", antwortete Olivia ," aber das war's mir wert.

7.9.14 00:45

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